SICAV verstehen

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Diversifizierte SICAV: Definition und Auswahl

Die diversifizierte SICAV ist oft die Lösung, die Anleger wählen, die sich nicht nur einem einzigen Anlagetyp aussetzen und auch nicht selbst das Gleichgewicht zwischen Aktien, Anleihen und Liquidität steuern möchten. Indem sie mehrere Anlageklassen in einem einzigen Fonds bündelt, überträgt sie den Aufbau und die Verwaltung eines Portfolios an Fachleute.

Sie ist gewissermaßen die „Alles-in-einem-Anlage“ unter den kollektiven Geldanlagen: zugänglich, diversifiziert und an ein Risikoprofil anpassbar. Millionen von Sparern nutzen sie über ihre Assurance-vie (französisches Lebensversicherungs-Anlageprodukt), ihren PER (französischer Altersvorsorgeplan) oder ihr Wertpapierdepot, oft ohne wirklich zu verstehen, was im Inneren passiert.

Diese Seite erklärt, was eine diversifizierte SICAV konkret ist, welche großen Profile es gibt (defensiv, ausgewogen, dynamisch), wie der Fondsmanager die Allokation steuert und nach welchen Kriterien Sie sie je nach Ihrer persönlichen Situation auswählen sollten.

Was ist eine SICAV?

Für Eilige

Das Wichtigste im Überblick
  • Eine SICAV mit breiter Streuung investiert gleichzeitig in mehrere Anlageklassen: Aktien, Anleihen, manchmal Immobilien oder Geldmarkt, je nach der in ihrem Mandat festgelegten Allokation.
  • Sie gibt es in drei großen Risikoprofilen: defensiv (geringe Aktienquote), ausgewogen (Mischung aus Aktien und Anleihen) und dynamisch (hohe Aktienquote).
  • Ihr Hauptvorteil besteht darin, ein schlüsselfertiges Portfolio anzubieten, das von Fachleuten verwaltet wird, ohne dass Sie selbst zwischen den Anlageklassen abwägen müssen.
  • Der empfohlene Anlagehorizont variiert je nach Risikoprofil des Fonds von 3 bis 8 Jahren.
  • Sie ist in Assurance-vie und im PER sehr verbreitet und wird in der Regel als Hauptbaustein in verwalteten Portfolios angeboten.
  • Der wichtigste Punkt, den Sie im Blick behalten sollten, ist zu prüfen, ob die angezeigte Aktien-Anleihen-Aufteilung im Portfolio des Fonds tatsächlich eingehalten wird.

Was ist ein diversifizierter SICAV?

Ein diversifizierter SICAV ist ein Organismus für gemeinsame Anlagen, dessen Anlagepolitik eine Aufteilung auf mehrere verschiedene Anlageklassen vorsieht, in der Regel Aktien und Anleihen, in Anteilen, die je nach Risikoprofil des Fonds variieren.

Im Gegensatz zu einem Aktien-SICAV (der hauptsächlich in Eigenkapitaltitel investiert) oder einem Anleihen-SICAV (der auf Schuldtitel ausgerichtet ist) ist ein diversifizierter SICAV nicht auf eine einzige Anlageklasse beschränkt. Der Fondsmanager verfügt über einen mehr oder weniger großen Spielraum, um die Allokation je nach Markterwartungen anzupassen, innerhalb der im Verkaufsprospekt des Fonds festgelegten Grenzen.

Gerade diese Flexibilität ist sein theoretischer Mehrwert: Indem Vermögenswerte kombiniert werden, die auf Konjunkturzyklen nicht auf dieselbe Weise reagieren, soll der Fonds eine bessere risikoadjustierte Rendite erzielen als ein Fonds mit nur einer Anlageklasse.

Diversifikation: Warum sie funktioniert

Die Logik der Diversifikation beruht auf einer gut dokumentierten empirischen Beobachtung: Nicht alle Anlageklassen fallen gleichzeitig oder im gleichen Ausmaß. In einer Rezession tendieren Staatsanleihen dazu, zu steigen, weil Anleger Sicherheit suchen, während Aktien fallen. In einer Expansionsphase entwickeln sich Aktien besser, während Anleihen stagnieren.

Durch die Kombination beider Anlageklassen versucht ein diversifizierter SICAV, die Wertentwicklung über die Zeit zu glätten: weniger Gewinne als in den besten Jahren eines Aktienfonds, aber auch geringere Verluste in Abschwungphasen. Das ist das Prinzip des risikoadjustierten Rendite-Risiko-Verhältnisses: ein etwas geringeres Potenzial im Austausch für einen gleichmäßigeren Verlauf.

Die drei großen Profile eines diversifizierten SICAV

Die Klassifizierung diversifizierter SICAVs beruht vor allem auf ihrer Aktienquote, die sowohl das Renditepotenzial als auch das Risikoniveau bestimmt. Man unterscheidet drei große Profile.

ProfilTypische AllokationHauptzielRisikolevelAnlagehorizontAnlegertyp
Defensiv< 30 % Aktien / Mehrheit Anleihen & GeldmarktKapital erhaltenNiedrig3 bis 5 JahreAnleger kurz vor dem Ruhestand oder mit kurzem Horizont
Ausgewogen≈ 50 % Aktien / 50 % Anleihen (±20 %)Kompromiss zwischen Rendite und RisikoModerat5 bis 8 JahreAnleger, der eine moderate Volatilität akzeptiert
Dynamisch> 70 % AktienLangfristiges Wachstum maximierenHoch8 Jahre und mehrAnleger, der Rendite sucht und Volatilität akzeptiert

Wie steuert der Fondsmanager die Allokation?

Einer der von aktiv gemanagten diversifizierten SICAVs hervorgehobenen Vorteile ist die Fähigkeit des Fondsmanagers, die Allokation an die Marktbedingungen anzupassen. Aber wie funktioniert das konkret, und welchen Mehrwert bringt es tatsächlich?

Die strategische Allokation: der Ausgangsrahmen

Jeder diversifizierte SICAV definiert in seinem Verkaufsprospekt eine strategische Allokation: die Zielverteilung zwischen den Anlageklassen auf lange Sicht. Sie ist der Kompass des Fonds. Ein ausgewogener Fonds kann beispielsweise 50 % Aktien, 45 % Anleihen und 5 % Geldmarkt anstreben. Diese Allokation spiegelt das ausgewiesene Risikoprofil wider und soll über die Zeit stabil bleiben.

Die taktische Allokation: Anpassungen des Fondsmanagers

Um dieses strategische Ziel herum kann der Fondsmanager taktische Anpassungen vornehmen: die Aktienquote leicht erhöhen, wenn ihm die Märkte unterbewertet erscheinen, das Anleihenengagement reduzieren, wenn ein Zinsanstieg erwartet wird, oder je nach Überzeugung einen bestimmten Sektor oder eine bestimmte geografische Region bevorzugen.

Diese Anpassungen sind in der Regel durch die Fondsregeln begrenzt: Ein ausgewogener Fonds kann sich nicht plötzlich in einen Aktienfonds verwandeln, indem er auf 90 % Engagement geht. Die zulässigen Allokationsbandbreiten sind im Verkaufsprospekt festgelegt.

Multi-Asset-Management: weiter gehen als Aktien und Anleihen

Einige moderne diversifizierte SICAVs beschränken sich nicht auf Aktien und Anleihen. Sie können liquide alternative Anlagen wie börsennotierte Immobilienwerte, Rohstoffe über Finanzinstrumente, Volatilitätsstrategien oder Absolute-Return-Fonds enthalten. Dieser Multi-Asset-Ansatz zielt darauf ab, die Korrelation zwischen den Positionen im Portfolio noch weiter zu senken, bringt aber auch mehr Komplexität und mitunter zusätzliche Kostenschichten mit sich.

Diversifizierter SICAV und gesteuertes Management: ein gängiges Duo

Diversifizierte SICAVs stehen im Zentrum des gesteuerten Managements, das von den meisten Versicherern und Investmentplattformen angeboten wird. Bei dieser Form der Verwaltung legt der Sparer sein Risikoprofil fest (defensiv, ausgewogen, dynamisch) und überträgt die Allokationsentscheidungen vollständig einem Manager oder einem Algorithmus.

In der Praxis stützt sich das gesteuerte Management oft auf ein Portfolio aus diversifizierten SICAVs oder ETFs, die entsprechend dem gewählten Profil verteilt werden. Einige Lebensversicherungsverträge bieten auch ein gesteuertes Management „mit Horizont“ an, das den Aktienanteil mit näher rückendem Enddatum schrittweise reduziert, ähnlich wie amerikanische „Target-Date“-Fonds.

Für Sparer, die weder die Zeit noch die Lust haben, ihr Portfolio aktiv zu verwalten, ist das eine praktische Lösung. Der Nachteil: Die Kosten können sich summieren (Kosten des SICAV plus Kosten des gesteuerten Managements plus Kosten des Mantels), was die Nettorendite entsprechend schmälert.

Vorteile und Grenzen eines diversifizierten SICAV

Die echten Vorteile

Der erste Vorteil ist die Einfachheit. Ein einziger Fonds ersetzt das, was sonst ein komplexes Portfolio aus mehreren unterschiedlichen Anlagevehikeln sein könnte. Für einen Einsteiger oder einen wenig verfügbaren Sparer ist das ein erheblicher Gewinn an Zeit und Energie.

Der zweite Vorteil ist die sofortige Diversifikation. Selbst mit einem moderaten Betrag erhält der Anleger Zugang zu Hunderten von Vermögenswerten unterschiedlicher Art, verteilt über mehrere geografische Regionen und mehrere Anlageklassen.

Der dritte Vorteil ist das Emotionsmanagement. Die Allokationsentscheidungen an einen professionellen Manager zu delegieren, hilft, in Stressphasen irrationale Entscheidungen zu vermeiden. Der Manager hält die definierte Allokation ein, während der Privatanleger möglicherweise dazu neigen würde, zum falschen Zeitpunkt zu verkaufen.

Die Grenzen, die man kennen sollte

Die wichtigste Grenze sind die Kosten. Ein aktiv gemanagter diversifizierter SICAV verursacht in der Regel höhere Verwaltungsgebühren als ein Fonds mit nur einer Anlageklasse, oft zwischen 1 und 2 % pro Jahr. Über einen langen Zeitraum belasten diese Gebühren die Nettorendite spürbar. Die Frage stellt sich zu Recht: Ist ein einziger diversifizierter Fonds mit 1,5 % Kosten besser, oder zwei ETFs (ein globaler Aktien-ETF und ein Anleihen-ETF) mit zusammen 0,2 % Kosten, wenn man das jährliche Rebalancing selbst übernimmt?

Die zweite Grenze ist der Mangel an Transparenz über die tatsächliche Allokation. Wenn der Verkaufsprospekt einen „ausgewogenen“ Fonds ausweist, bedeutet das nicht, dass das Portfolio genau im Verhältnis 50/50 strukturiert ist, wenn Sie Ihren Auszug einsehen. Monatliche Reportings ermöglichen es, die tatsächliche Allokation zu überprüfen, aber nicht jeder liest sie.

Die dritte Grenze ist die Korrelation in Krisenzeiten. Wie bereits bei Anleihen-SICAVs erwähnt, ist die Entkopplung zwischen Aktien und Anleihen nicht universell. Im Jahr 2022 fielen beide Anlageklassen gleichzeitig, wodurch diversifizierten SICAVs ihre übliche Pufferfunktion genommen wurde. Diversifikation reduziert das Risiko, sie hebt es nicht auf.

Diversifizierter SICAV vs. eigenes Portfolio aufbauen

Die Lösung mit diversifiziertem SICAV: für wen?

Ein diversifizierter SICAV eignet sich besonders für Anleger, die gerade erst anfangen, wenig Zeit für die Verwaltung ihres Vermögens haben oder deren investierte Beträge noch moderat sind. Er ist auch eine gute Lösung im Rahmen einer Lebensversicherung oder eines Altersvorsorgeplans, wenn man einen „Autopiloten“ wünscht.

Die Lösung „selbst machen“: für wen?

Ein erfahrenerer Anleger mit höherem Kapital und etwas Zeit für die Verwaltung seines Portfolios kann sich dafür entscheiden, seine Allokation selbst mit kostengünstigen ETFs aufzubauen. Ein globaler Aktien-ETF mit 0,12 % Gebühren plus ein Anleihen-ETF mit 0,15 % Gebühren, einmal pro Jahr rebalanciert, erzielen über lange Zeit oft ein vergleichbares oder besseres Ergebnis als ein aktiv gemanagter diversifizierter SICAV mit 1,5 % Gebühren.

Die Schwierigkeit dieses Ansatzes liegt in der Disziplin: Man muss die definierte Allokation auch in turbulenten Phasen beibehalten, ohne der Versuchung zu erliegen, alles zu verkaufen oder die Allokation je nach Nachrichtenlage in die eine oder andere Richtung zu verändern. Das ist für die meisten Anleger leichter gesagt als getan.

Wie wählt man einen diversifizierten SICAV aus?

Die fünf Punkte, die Sie prüfen sollten

Ist das ausgewiesene Risikoprofil mit Ihrer Situation vereinbar? Defensiv, ausgewogen oder dynamisch: Ihr Anlagehorizont und Ihre Volatilitätstoleranz müssen zum Profil des Fonds passen. Ein dynamischer Fonds ist nicht geeignet, wenn Sie Ihr Geld in 3 Jahren benötigen.

Wie hoch ist die tatsächliche Allokation? Lesen Sie das monatliche Reporting des Fonds, um zu prüfen, ob die Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen tatsächlich dem entspricht, was ausgewiesen wird. Einige „ausgewogene“ Fonds haben je nach taktischen Entscheidungen des Fondsmanagers sehr variable Allokationen.

Wie hoch sind die laufenden Kosten? Bei einem diversifizierten Fonds sollte man ab mehr als 1,5 % pro Jahr die Frage nach dem Verhältnis von Kosten und Mehrwert ernsthaft stellen. Vergleichen Sie mit gleichwertigen passiven Alternativen.

Wie entwickelt sich der Fonds im Vergleich zur Benchmark? Ein diversifizierter Fonds sollte an einem zusammengesetzten Index gemessen werden (zum Beispiel 50 % globaler Aktienindex, 50 % Anleihenindex) und nicht an einem absoluten Wert. Eine positive Performance von 4 % ist enttäuschend, wenn der Index um 8 % gestiegen ist.

Ist die Flexibilität bei der Allokation ein Vorteil oder ein Risiko? Einige „flexible“ Fonds können je nach Überzeugung des Fondsmanagers zwischen 20 % und 80 % Aktien halten. Diese Freiheit kann Mehrwert schaffen, sie kann aber auch zu erheblichen Allokationsfehlern führen. Prüfen Sie die im Verkaufsprospekt zulässigen Bandbreiten und die Verwaltungshistorie.

Leitfaden zum Investieren in einen SICAV.

Checkliste vor einer Investition in einen diversifizierten SICAV

  • Ich habe mein Risikoprofil (defensiv, ausgewogen, dynamisch) im Einklang mit meinem Horizont und meiner Volatilitätstoleranz bestimmt.
  • Ich habe die tatsächliche Allokation des Fonds im monatlichen Reporting geprüft, nicht nur das ausgewiesene Profil.
  • Ich habe die laufenden Kosten mit passiven Alternativen (Aktien-ETF + Anleihen-ETF) mit vergleichbarem Profil verglichen.
  • Ich habe die Wertentwicklung über 3, 5 und 10 Jahre im Vergleich zu einem repräsentativen zusammengesetzten Index der Fondsallokation analysiert.
  • Ich habe das Basisinformationsblatt gelesen und die zulässigen Allokationsbandbreiten für diesen Fonds verstanden (Flexibilitätsspielraum des Fondsmanagers).
  • Ich habe geprüft, ob dieser Fonds in dem steuerlichen Mantel verfügbar ist, den ich nutzen möchte (Lebensversicherung, Altersvorsorgeplan, Wertpapierdepot).

Ja, aber einige Fonds fügen auch börsennotierte Immobilien, Rohstoffe oder alternative Strategien hinzu.

Weil sie es ermöglichen, ein bereits ausgewogenes Portfolio zu erhalten, ohne die Umschichtungen selbst zu verwalten.

Nein. Die Diversifizierung verringert bestimmte Risiken, beseitigt jedoch nicht die breit angelegten Rückgänge an den Märkten.

Nicht unbedingt. Sie bringt vor allem Einfachheit und Disziplin, aber die Gebühren können die Nettorendite schmälern.

Denn ein ETF-Portfolio kann manchmal eine ähnliche Diversifizierung bei deutlich niedrigeren Gebühren bieten.

Photo profil Benjamin Boidin

Benjamin Boidin

Benjamin Boidin, staatlich geprüfter Wirtschaftsprüfer und CGPC/AMF-zertifiziert, verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung in der umfassenden Verwaltung von Immobilienfonds (Bewertung, Liquiditätsmanagement, Schuldenmanagement, Reporting und ESG-Konformität).

Wichtiger Hinweis:

Der Inhalt dieser Seite dient ausschließlich Bildungszwecken. Er soll Ihnen helfen, die Konzepte rund um Immobilieninvestitionen und alternative Fonds besser zu verstehen, ohne dabei Ihre persönliche Vermögens-, Steuer- oder Finanzsituation zu berücksichtigen.

Diese Informationen stellen weder eine Anlageberatung im Sinne der MiFID-II-Richtlinie noch eine personalisierte Kauf- oder Zeichnungsempfehlung dar. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, einschließlich des teilweisen oder vollständigen Verlusts des investierten Kapitals.

Wir empfehlen Ihnen, vor jeder Anlageentscheidung einen qualifizierten, unabhängigen Finanzberater zu konsultieren und die offiziellen Fondsdokumente (Basisinformationsblatt, Verkaufsprospekt) zu lesen.