SICAV verstehen

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Geldmarkt-SICAV: Definition und Funktionsweise

Die Geldmarkt-SICAV wird oft als die vorsichtigste Form der kollektiven Geldanlage dargestellt. Und genau darin liegt ihre Rolle: eine Alternative zu Liquidität zu bieten, die auf einem Girokonto oder einem Sparbuch ungenutzt liegt, und dabei eine leicht höhere Rendite anzustreben, ohne nennenswerte Risiken an den Märkten einzugehen.

Über lange Zeit sind Geldmarkt-SICAVs in einem Umfeld sehr niedriger Zinsen für Privatanleger fast von der Bildfläche verschwunden: Ihre Rendite war nahezu null, manchmal sogar leicht negativ. Der Anstieg der Leitzinsen in Europa ab 2022 hat ihnen wieder eine echte Relevanz verschafft und sie erneut zu einem attraktiven Instrument für das kurzfristige Liquiditätsmanagement gemacht.

Diese Seite erklärt, was eine Geldmarkt-SICAV konkret ist, wie sie funktioniert, für wen sie geeignet ist und wie sie sich in eine Sparstrategie einordnen lässt.

Für Eilige

Das Wichtigste im Überblick
  • Ein geldmarktnaher SICAV investiert in Finanzinstrumente mit sehr kurzer Laufzeit: Schatzanweisungen, Einlagenzertifikate, Commercial Paper und Schuldverschreibungen mit kurzer Fälligkeit.
  • Sein Ziel ist es, das Kapital zu erhalten und gleichzeitig eine Rendite zu erzielen, die nahe an den kurzfristigen Geldmarktzinsen liegt.
  • Das Risiko ist gering, aber nicht null: Der Nettoinventarwert kann leicht schwanken, insbesondere bei abrupten Zinsänderungen.
  • Er eignet sich besonders für das Liquiditätsmanagement: Liquidität für einige Wochen bis einige Monate zu parken, während man auf eine Anlageentscheidung wartet.
  • Seit 2022, mit dem Zinsanstieg in Europa, weisen einige geldmarktnahe SICAVs wieder Renditen zwischen 3 und 4 % vor Steuern auf annualisierter Basis aus.
  • Er ist kein Ersatz für ein Livret A oder für eine Notfallreserve: Die Liquidität ist nicht sofort verfügbar.

Was ist eine Geldmarktsicav?

Eine Geldmarktsicav ist ein Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW), dessen Strategie darin besteht, ausschließlich in sehr kurzfristige Finanzinstrumente zu investieren, die in der Regel auf Euro oder eine stabile Währung lauten und eine geringe Restlaufzeit aufweisen.

Im Gegensatz zu einer Aktiensicav oder Anleihesicav zielt sie nicht darauf ab, von Unternehmenswachstum oder der Entwicklung langfristiger Zinsen zu profitieren. Sie versucht vielmehr, die Verzinsung von Liquidität am europäischen Interbankenmarkt so genau wie möglich nachzubilden und dabei das Verlustrisiko des Kapitals so weit wie möglich zu begrenzen.

Was ist eine SICAV?

Worin investiert eine Geldmarktsicav?

Das Portfolio einer Geldmarktsicav besteht aus Instrumenten mit sehr kurzer Laufzeit, die von Staaten, Finanzinstituten oder großen, gut bewerteten Unternehmen begeben werden.

Dazu gehören vor allem Schatzwechsel (kurzfristige Schuldtitel, die von Staaten begeben werden), Einlagenzertifikate (von Banken begeben), Commercial Paper (von großen Unternehmen begeben) sowie allgemein handelbare Schuldtitel mit Laufzeiten von wenigen Tagen bis zu wenigen Monaten. Einige Geldmarktsicavs können auch Derivate wie Zinsswaps einsetzen, um ihr Engagement in kurzfristigen Zinsen präzise anzupassen.

Der Referenzindex: der €STR

Die meisten auf Euro lautenden Geldmarktsicavs werden am €STR (Euro Short-Term Rate) gemessen, dem täglichen Referenzzinssatz für sehr kurzfristige Geldanlagen im Euroraum, der von der Europäischen Zentralbank veröffentlicht wird. Er spiegelt die Kosten von Übernachtkrediten zwischen Finanzinstituten wider. Wenn die Leitzinsen der EZB steigen, steigt auch der €STR, und die Rendite von Geldmarktsicavs verbessert sich. Wenn sie sinken, folgt die Rendite. Genau dieser direkte Zusammenhang mit der Geldpolitik erklärt die Entwicklung der Rendite dieser Fonds im Zeitverlauf.

Wie funktioniert eine Geldmarktsicav in der Praxis?

Ein Nettoinventarwert, der sich fast jeden Tag erhöht

Im Gegensatz zu einer Aktiensicav, deren Nettoinventarwert von einem Handelstag zum nächsten stark schwanken kann, steigt der Nettoinventarwert einer Geldmarktsicav im Tagesverlauf nahezu linear und in der Regel nach oben. Diese Regelmäßigkeit erklärt sich aus der Art der gehaltenen Vermögenswerte: kurzfristige Titel, die Tag für Tag Zinsen erwirtschaften, ohne die Ausschläge, die mit den Aktienmärkten verbunden sind.

In der Praxis wird der Nettoinventarwert an jedem Börsentag berechnet und veröffentlicht. Die tägliche Veränderung ist gering (einige Hundertstel Basispunkte), summiert sich aber über Wochen und Monate zu der annualisierten Rendite des Fonds.

Zwei große Kategorien: Geldmarktfonds mit kurzer Laufzeit und Standard-Geldmarktfonds

Die europäische Regulierung unterscheidet zwei Kategorien von Geldmarktfonds mit unterschiedlichen Verwaltungsregeln.

Die Geldmarktfonds mit kurzer Laufzeit unterliegen sehr strengen Vorgaben hinsichtlich der Laufzeit der gehaltenen Vermögenswerte (gewichtete durchschnittliche Restlaufzeit unter 60 Tagen) und der Bonität der Emittenten. Sie sind die vorsichtigsten und jene mit dem stabilsten Nettoinventarwert. Standard-Geldmarktfonds akzeptieren etwas längere Laufzeiten (bis zu 6 Monate im gewichteten Durchschnitt), was ihnen manchmal eine etwas höhere Rendite ermöglicht, allerdings bei einer leicht höheren Zinssensitivität.

Für Privatanleger sind diese Unterscheidungen selten entscheidend. Wichtig ist, im Basisinformationsblatt zu prüfen, dass die empfohlene Haltedauer deutlich unter einem Jahr liegt und dass der Risikoindikator auf der Skala von 1 bis 7 bei 1 oder 2 liegt.

Das Risiko einer Geldmarktsicav: gering, aber real

Die Geldmarktsicav wird oft als „risikofreie“ Anlage dargestellt. Das ist eine irreführende Vereinfachung. Ihr Risiko ist gering, aber es existiert. Bei einem plötzlichen Anstieg der sehr kurzfristigen Zinsen kann der Nettoinventarwert leicht sinken. Fällt ein Emittent von im Portfolio gehaltenen Titeln aus (selten, aber möglich), kann der Fonds einen Verlust erleiden. Außerdem bietet die Geldmarktsicav keine Kapitalgarantie wie ein staatlich reguliertes Sparprodukt wie das Livret A: Es gibt keinen staatlichen Garantemechanismus für das investierte Kapital.

Reale Risiken einer SICAV

Rendite einer Geldmarktsicav: Kontext 2024–2026

Von null Rendite zur Rückkehr in die Gunst

Zwischen 2015 und 2021 waren die Leitzinsen der EZB null oder negativ. In diesem Umfeld brachten Geldmarktsicavs nichts ein oder sogar leicht weniger als null, nachdem die Verwaltungsgebühren abgezogen worden waren. Viele Sparer und Unternehmen hatten sie zugunsten von Sparbüchern oder Festgeldkonten aufgegeben.

Der schnelle Zinsanstieg ab Ende 2022 hat die Lage verändert. Mit Leitzinsen von 4 % und anschließend einem schrittweisen Rückgang auf rund 2,5–3 % in den Jahren 2025–2026 weisen Geldmarktsicavs wieder wettbewerbsfähige annualisierte Bruttorenditen auf, in der Größenordnung von 2,5 bis 3,5 %, je nach Fonds und aktuellem Zinsumfeld.

Die Renditen einer SICAV

Der Vorteil der Geldmarktsicav gegenüber dem Livret A

In Phasen hoher Zinsen kann die Geldmarktsicav beim Bruttorenditevergleich das Livret A übertreffen. Sie hat keine Einzahlungsobergrenze (im Gegensatz zum auf 22.950 € begrenzten Livret A), was sie besonders interessant für Unternehmen und Anleger macht, die größere Liquiditätsbeträge verwalten.

Das Livret A behält jedoch zwei entscheidende Vorteile: Die Rendite ist netto nach Steuern (von jeder Besteuerung befreit), und das Kapital ist staatlich garantiert. Die Geldmarktsicav hingegen unterliegt der Besteuerung von Wertpapieren (Pauschalsteuer von 30 % vorbehaltlich der Option für den progressiven Tarif) und profitiert von keiner Kapitalgarantie.

Für wen ist eine Geldmarktsicav geeignet?

Der Privatanleger, der auf eine Gelegenheit wartet

Für einen privaten Sparer ist die Geldmarktsicav als Zwischenanlage nützlich. Sie haben gerade eine Immobilie verkauft, eine Erbschaft oder eine Prämie erhalten und noch nicht entschieden, wo Sie diese Liquidität anlegen möchten? Statt das Geld unverzinst auf einem Girokonto liegen zu lassen, können Sie es vorübergehend in einer Geldmarktsicav parken, bis Sie Ihre Allokation festgelegt haben.

Sie ist auch für Anleger nützlich, die eine schnell verfügbare Reserve benötigen, ihre Liquidität aber dennoch etwas stärker arbeiten lassen möchten als zu einem Sparbuchzins.

Unternehmen und Liquiditätsmanagement

Die Geldmarktsicav wird in der Praxis deutlich häufiger von Unternehmen als von Privatpersonen genutzt. Unternehmensschatzmeister verwenden sie, um kurzfristige Liquiditätsüberschüsse zwischen zwei Zahlungsterminen anzulegen und gleichzeitig die nahezu sofortige Verfügbarkeit der Mittel zu erhalten. Die fehlende Obergrenze, die tägliche Liquidität und die Qualität der Vermögenswerte machen sie zu einem Referenzinstrument für das Cash-Management von Unternehmen.

Was eine Geldmarktsicav nicht ist

Es ist wichtig zu klären, wofür die Geldmarktsicav kein Ersatz ist. Sie ersetzt keine Notfallreserve: Die Mittel sind nicht sofort verfügbar (1 bis 3 Börsentage für eine Rücknahme), und das Kapital ist nicht garantiert. Sie ersetzt keine langfristige Geldanlage: Ihre Rendite folgt den kurzfristigen Zinsen, die deutlich sinken können. Sie ist auch nicht für ein Ruhestandsziel oder den Vermögensaufbau über 10 oder 20 Jahre geeignet: Dafür sind andere SICAV-Kategorien deutlich sinnvoller.

Wie wählt man eine Geldmarktsicav aus?

Die Auswahlkriterien

Für die Auswahl einer Geldmarktsicav sind vier Kriterien entscheidend. Zunächst das laufende Kostenniveau: Bei einem Fonds mit einer Bruttorendite von 3 % entsprechen 0,5 % Gebühren einem Abzug von 17 % der Rendite. Bevorzugen Sie Fonds mit jährlichen Kosten unter 0,2–0,3 %. Dann die Qualität der im Portfolio gehaltenen Vermögenswerte: Die Emittenten sollten von den Ratingagenturen gut bewertet sein, um das Ausfallrisiko zu begrenzen. Die Liquidität: Prüfen Sie die Rücknahmefristen in den Fondsunterlagen. Und schließlich die regulatorische Kategorie: Ein Geldmarktfonds mit kurzer Laufzeit ist sicherer als ein Standard-Geldmarktfonds, wenn Ihr oberstes Ziel der Kapitalerhalt ist.

Das Geldmarktsiegel der AMF

Damit ein Fonds in Frankreich unter der Bezeichnung „monétaire“ vermarktet werden darf, muss er strenge regulatorische Kriterien erfüllen, die von der AMF (französische Finanzmarktaufsichtsbehörde) festgelegt und an die europäische Regulierung für Geldmarktfonds (Money Market Funds Regulation) angeglichen sind. Diese Kriterien betreffen die Laufzeit der Vermögenswerte, die Diversifizierung, die Bonität der Emittenten und die Regeln für das Liquiditätsmanagement. Sie können die genaue Kategorie eines Fonds und seine Zulassung in der GECO-Datenbank der AMF überprüfen.

Wie investiert man in eine SICAV?

Ja, auch wenn das Risiko gering ist, bleibt ein leichter Rückgang des Nettoinventarwerts möglich.

Die Erhöhung der Leitzinsen der EZB hat die Rendite von Geldmarktanlagen mechanisch erhöht.

Im Allgemeinen nein, da sein Ziel vor allem das kurzfristige Liquiditätsmanagement ist.

Das Festgeldkonto bietet einen im Voraus festgelegten Zinssatz, während sich die Rendite eines Geldmarktfonds vom Typ SICAV mit den kurzfristigen Marktzinsen entwickelt.

Weil die Bruttorenditen relativ niedrig sind: Schon wenige Zehntel Prozent an Gebühren können die Nettoperformance stark mindern.

Photo profil Benjamin Boidin

Benjamin Boidin

Benjamin Boidin, staatlich geprüfter Wirtschaftsprüfer und CGPC/AMF-zertifiziert, verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung in der umfassenden Verwaltung von Immobilienfonds (Bewertung, Liquiditätsmanagement, Schuldenmanagement, Reporting und ESG-Konformität).

Wichtiger Hinweis:

Der Inhalt dieser Seite dient ausschließlich Bildungszwecken. Er soll Ihnen helfen, die Konzepte rund um Immobilieninvestitionen und alternative Fonds besser zu verstehen, ohne dabei Ihre persönliche Vermögens-, Steuer- oder Finanzsituation zu berücksichtigen.

Diese Informationen stellen weder eine Anlageberatung im Sinne der MiFID-II-Richtlinie noch eine personalisierte Kauf- oder Zeichnungsempfehlung dar. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, einschließlich des teilweisen oder vollständigen Verlusts des investierten Kapitals.

Wir empfehlen Ihnen, vor jeder Anlageentscheidung einen qualifizierten, unabhängigen Finanzberater zu konsultieren und die offiziellen Fondsdokumente (Basisinformationsblatt, Verkaufsprospekt) zu lesen.